WAS SIND DAS FÜR ZEITEN …   
Dieser Herbst folgt auf einen Sommer, der wahrscheinlich heißer war als alle anderen seit Beginn der Aufzeichnungen – und möglicherweise kühler als alle, die wir noch erleben werden. 
Die Welt, in der wir dieses Festival feiern, brennt an allen Ecken und Enden. 
Krieg, Totalitarismus und toxisches Patriarchat sind wieder an der Tagesordnung.

Macht Kunst in einem solchen Moment unheilvoller globaler Tendenzen überhaupt noch Sinn? Sollten wir nicht besser all unsere Kräfte in die Revolte werfen? Oder ist ohnehin schon alles zu spätt?

Diese Fragen haben wir uns mit der editta braun company bereits von fünfzehn Jahren gestellt, die Antwort war das Stück „schluss mit kunst“. 
Die Suche nach einer künstlerischen Sprache, die dem Wahnsinn etwas entgegensetzt, geht weiter.
Und wir sind viele.

Editta Braun & Gerda Poschmann-Reichen

Edito​rial & Statements

Wieder einmal bin ich im Theater, im Tanztheater, im Filmtheater auf der Suche nach Nahrung, nach Geistesnahrung.
Die gibt mir die Kunst. Gibt sie meinem vom Ukrainekrieg, Gazakrieg, Irankrieg, Sudankrieg, Umweltkrieg gemarterten Kopf.
Plötzlich sehe ich dann wieder eine gute Zeit vor mir. Zeiten nach der Einmalverwendung, nach dem sinnlosen Überfluss, nach den verdorrten Landschaften, den stinkenden Meeren, der verpesteten Luft.
Wenn ich Glück habe mit der Kunst, gehe ich nach der Aufführung raus und möchte mich an "den Tisch meines Lebens" setzen. 
CLAUDIA GMACHL

Kunst in ihrer Vielfalt hat mir immer sehr viel bedeutet: als Bereicherung, Anregung, Irritation, Verstörung, Impulsgeber, Mutmacher. Ob Bücher, Filme, Theaterstücke, Ausstellungen, Konzerte oder Tanzvorstellungen: Sie drücken aus, bilden ab, überzeugen, regen zu Widerspruch und Austausch an, bauen auf, können stärken und den Horizont erweitern, wenn er sich bisweilen durch bedrückende Zeiterscheinungen verengt und einen verzagen lässt. Der Tanz im Besonderen birgt für mich noch andere Dimensionen: als Bewegung in Verbindung mit Musik, Tönen, Geräuschen, Farben, Objekten in Bezug zu einem Thema. Dadurch wirkt er für mein Empfinden noch unmittelbarer auf Körper und Seele, als dies andere Kunstformen tun.
MARGRET LIEBAU